Kontroverse über das Ausbauvolumen der Windkraftanlagen in Deutschland

Eine Zusammenfassung der 11:55 PM consultants GmbH


(26.01.2016) Die Windenergie-Branche erlebt gerade einen regelrechten Boom. Die in 2015 insgesamt 546 angeschlossenen Offshore-Windanlagen wurden zwar nicht alle im vergangenen Jahr gebaut. Deren Anschluss aber bedeutet, dass die technischen Probleme gelöst werden konnten.  Nach jahrelangen Verzögerungen können die milliardenschweren Projekte endlich ihre Wirkung entfalten. Die Gesamtleistung von insgesamt 792 Anlagen beträgt laut dem Bundesverband Windenergie (BWE) zur Zeit 3.294,9 Megawatt. Mit dem produzierten Strom werden in Deutschland mehr als 2 Millionen Haushalte versorgt. 

 

Die Bundesregierung hat für 2025 die Erreichung von 11.000 Megawatt als Ziel ausgegeben. Damit dies gelingt, müssten jährlich neue Anlagen mit einer Erzeugungsleistung von insgesamt  700 Megawatt aufgebaut werden. Der BWE hat aber weiter gehende Pläne. Bereits ab 2021 soll das jährliche Ausbauvolumen 900 Megawatt statt 700 Megawatt betragen. Erst dann, so die Begründung des Branchenverbandes, könnten die Kosten gesenkt, Wertschöpfung und Industrieproduktion hierzulande gesichert werden. 

 

Vor diesem Hintergrund sorgen die Pläne der Bundesregierung, bei der staatlichen Förderung andere Akzente zu setzen, für Unruhe. Die Reform des Bundeswirtschaftsministeriums sieht eine Begrenzung beim Ausbau der Windenergie an Land auf 2.500 Megawatt im Jahr vor. Das soll u.a. dadurch erreicht werden, dass die Investoren mit dem niedrigsten Förderungsbedarf den Zuschlag zum Bau von Windanlagen erhalten. Somit würde die bislang geltende Förderung über feste Stromvergütung gekippt. Damit aber die Standorte im Binnenland nicht zu kurz kommen, werden sie stärker gefördert als küstennahe, d.h. windstarke Niederlassungen.  

 

Die Unionsfraktion im Bundestag hat die Pläne des SPD-geführten Bundeswirtschaftsministeriums scharf kritisiert. Durch die Neuausrichtung der Förderung würden ineffiziente und unrentable Standorte entstehen, heißt es von Seiten der CDU-Politiker. Von der Union wird dabei übersehen, dass die Windenergie an Land bereits jetzt zu den treibenden Kräften der Energiewende zählt. Die Onshore-Standorte können einerseits den schwierigen Netzausbau vermindern. Andererseits sorgt ein weiterer Ausbau von Windanlagen im Binnenland für mehr Stunden Windenergie im Jahr.  

 

Während sich die Politik durch eine neue Regelung kosteneffizientere Förderung von Windenergie verspricht, befürchtet der BWE höhere Ausgaben und Risiken für Investoren. Zusammen mit den Vertretern der norddeutschen Bundesländer hat sich die Windbranche beim Gipfel in Wismar für den konsequenten Ausbau der der Windkraftanlagen auf See und an Land ausgesprochen. Da es beim Thema Windenergie auch um zahlreiche Arbeitsplätze geht – Siemens hat gerade die Schaffung von rund 1.000 neuen Jobs in Cuxhaven angekündigt – steht auch für das von der SPD geführte Bundeswirtschaftsministerium viel auf dem Spiel. 

 

Es ist also sehr gut möglich, dass am Reformpapier des EEG noch die eine oder die andere Änderung vorgenommen wird. Klar ist aber auch, dass das zur Netzanbindung der Windkraftanlagen notwendige Stromnetz bislang nur unzureichend und zu langsam ausgebaut wurde. Der Ökostrom-Boom darf nicht dazu führen, dass die Netzbetreiber Beiträge in dreistelliger Millionenhöhe investieren, um für die Netzstabilität zu sorgen. Auf den Chef des Bundeskanzleramtes, Peter Altmaier, kommt als Vermittler zwischen den zahlreichen Interessengruppen in den kommenden Wochen und Monaten also einige Arbeit zu.

 

(Autoren: Dr. Thomas Lügger)