„Draußen ein Fürstchen, zu Hause ein Würstchen“

Wie Unternehmen und Expats sich Probleme ersparen können.

 

Zwei Jahre im Ausland zu verbringen und dabei ein privilegiertes Leben als Unternehmensrepräsentant zu genießen, scheint auf den ersten Blick verlockend zu klingen. Doch der Eindruck  ist trügerisch – deutsche Unternehmen suchen oftmals vergebens nach Mitarbeitern, die bereitwillig längere Zeit ins Ausland gehen würden. Und wenn sich solche Mitarbeiter finden, dann machen sie einen großen Sprung auf der Karriereleiter - könnte man zumindest meinen. Die Praxis sieht freilich ganz anderes aus. Arbeitnehmer, die den Schritt wagen und als Expatriate (Expat) ins Ausland gehen, erleben die Rückkehr in die Heimat als die größte Herausforderung in ihrer bisherigen Karriere. Haben diese nach dem Auslandsaufenthalt nur zu hohe Ansprüche oder vergeuden Arbeitgeber deren Potential?

 

Um gleich mit einem verbreiteten Vorurteil auszuräumen – ein Unternehmensrepräsentant im Ausland muss mit bestimmten Privilegien ausgestattet werden, damit er von der Wirtschaftselite des Landes als gleichberechtigter Ansprechpartner akzeptiert wird. Ein Expat muss sich aber auch für ein bis drei Jahre von der gewohnten Umgebung, dem Freundeskreis und gegebenenfalls auch von der Familie verabschieden. Falls Lebens-/Ehepartner und Kinder mitkommen, müssen diese sich ebenfalls auf zahlreiche Umstellungen gedanklich einstellen. Damit der Auslandsaufenthalt erfolgreich verläuft muss der Lebens-/Ehepartner im Entsendungsland sinnvollen Tätigkeiten nachgehen können und gut in die neue Umgebung integriert werden. Grundsätzlich sollten Unternehmen auch Familienangehörige des entsendeten Mitarbeiters in die Vorbereitung einbeziehen. Bieten Sie als Personalverantwortlicher Ihren angehenden Expats die Teilnahme an interkulturellen Trainings und Sprachkursen für deren Familienangehörige an. Stellen Sie sicher, dass die Kinder Ihres Mitarbeiters eine deutsche Auslandsschule besuchen oder alternativ einen Fernunterricht in Anspruch nehmen können. 

 

Während die sprachlichen und kulturellen Aspekte zum festen Bestandteil einer Vorbereitung zählen, geraten mögliche Konsequenzen einer Auslandsmission schnell aus dem Blickfeld von Expats. Zu diesen Konsequenzen zählt in erster Linie der Karriereverlauf nach der Rückkehr in die Heimat. Die meisten Expats unterliegen der irrtümlichen Annahme, dass ein Auslandsaufenthalt zum Karriereschub beiträgt. Diese Erwartungshaltung ist sicherlich auch dem Umstand geschuldet, dass zahlreiche Arbeitgeber den Auslandstrip als eine unabdingbare Voraussetzung einer Beförderung  darstellen. Ins Ausland entsendete Mitarbeiter übersehen jedoch, dass sie nicht nur dort auf sich allein gestellt sind. In der Heimat geraten sie schnell in Vergessenheit und werden bei Personalplanungen außer Acht gelassen.  Oftmals liegt es an strukturellen Defiziten in den Personalabteilungen, die sich für Auslandsmitarbeiter nicht zuständig fühlen. 

 

Entwickeln Sie als Personalverantwortlicher gemeinsam mit dem zu entsendenden Mitarbeiter einen Karriereplan für die Zeit nach der Rückkehr vom Auslandseinsatz. Dies gibt dem Beschäftigten (in den Ihr Unternehmen viel Geld investiert und der im Ausland viel geleistet hat) Sicherheit darüber, was mit ihm nach der Rückkehr geschehen wird. Diese Sicherheit gibt Ihrem Angestellten auch gleichzeitig Mut und Enthusiasmus für die große Aufgabe in fernen Gefilden. 

 

Damit der rückkehrende Expat  von seiner Auslandsmission profitiert und sich in seinem alten Arbeitsumfeld schnell wieder eingliedern kann, müssen vertragliche Absprachen getroffen werden. Idealerweise haben Sie als Arbeitgeber Richtlinien und Maßnahmenkataloge für Expats entworfen, die für mehr Sicherheit und vor allem Transparenz sorgen. 

 

Am Besten stellen Sie als Arbeitgeber Ihrem Expat von Anfang an einen Mentor zur Seite, damit Absprachen mit Ihrem entsandten Mitarbeiter nicht ins Leere laufen. Der Mentor hält seinen „Schützling“ über aktuelle Entwicklungen in der Heimat auf dem Laufenden und setzt sich für dessen Anliegen am Heimatstandort ein. Darüber hinaus sind regelmäßige Workshops sowie der Austausch zwischen den Expats in Ihrem Unternehmen von Bedeutung. Damit Auslandsmitarbeiter auch mit anderen Kollegen in Kontakt bleiben und vor allem ihre Präsenz demonstrieren, empfehlen sich gelegentliche Besuche der Expats am heimatlichen Unternehmenssitz. Diese könnten zu relevanten Anlässen stattfinden, und sollten in erster Linie der Vernetzung von Unternehmensrepräsentanten mit Kollegen am Heimatort dienen. 

 

Sicherlich denken angehende Expats bei ihren Vorbereitungen auf den Auslandsaufenthalt auch über die Eingliederung von Lebenspartnern nach. Was hierbei jedoch schnell aus dem Blickfeld von Expats gerät, ist eben auch die Wiedereingliederung des Partners bei der Rückkehr in die Heimat.  Es muss ebenso darauf geachtet werden, dass auch der Lebenspartner beruflich keine Rückschläge einsteckt und Kinder in der Schule und in ihrem neuen alten Umfeld schnell Anschluss finden. 

 

Ihnen als Personalverantwortlichen sollte bewusst sein, dass eine misslungene Wiedereingliederung von Ihres ehemals ins Ausland entsandten Mitarbeiters und deren Familienangehörigen die gesamte (eigentlich erfolgreiche) Auslandsmission in Frage stellen kann. In der Regel verlassen die meisten vormaligen Expats ihren Arbeitgeber innerhalb des ersten Jahres nach ihrer Rückkehr ins Heimatland. Als Grund werden nicht nur die negativen Auswirkungen auf die berufliche Integration angegeben, sondern auch die negativen Folgen des mehrjährigen Auslandsaufenthalts für die Familie. 

 

Damit sich Ihre hohen Investitionen lohnen, die sich mit der Entsendung eines Mitarbeiters ins Ausland ergeben, sollten Sie Ihren entsandten Mitarbeiter noch vor dessen Rückkehr in die Heimat auf diese nicht zu unterschätzenden Aspekte hinweisen. Bieten Sie Ihrem Angestellten deshalb Unterstützung bei der Suche nach einem Kita-Platz an und organisieren für ihn Workshops, bei denen er auch Tipps von anderen Entsandten bekommen kann. Ein solcher Austausch ist ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung für die Heimkehr. 

 

Professionelle Begleitung von Expats lohnt sich – die von ihnen im Ausland erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten sind äußerst wertvoll für Ihr Unternehmen. Vergeuden Sie sie nicht! 

 

(Autor: Dr. Corinna Hahn)